Glas
Die Abstraktion machte ich lange nur für mich selbst. Ernährt haben mich Porträts, überwiegend Porträts von Musikern.
Ich habe viele befreundete Musiker, weil ich die Musik liebe. Maler kenne ich nicht so viele. :)
Die meisten, sagen wir neunzig Prozent der Musiker, gehen ins Orchester wie zur Arbeit, und wenn sie nach Hause kommen, stellen sie das Instrument in die Ecke und gehen ihrer eigenen Wege – Windsurfen oder im Garten arbeiten. Aber die übrigen zehn Prozent kommen von der Arbeit und widmen sich der Musik auch zu Hause. Meist spielen sie noch in mehreren Bands gleichzeitig und komponieren ihre eigene Musik. Und die landen über den Blues beim Jazz. Nur können jene neunzig Prozent Profis diesen Jazz nicht mit ihnen spielen, weil sie für alles Noten brauchen.
Und genauso ist es mit der Abstraktion bei den Malern. Eine gute Abstraktion ist wie ein guter Jazz. Sie ist Freiheit, kein sklavisches Kopieren der vergänglichen Wirklichkeit.
Ich malte große Kompositionen und großflächige Malereien an Wänden. Der Farbverbrauch war enorm, und bald war mir keine Palette mehr groß genug. Als ich überlegte, wo ich die Farben mischen sollte, fiel mein Blick auf eine Tafel aus gehärtetem Glas, die sich in eine hölzerne Vitrine schieben ließ, die mir vor Jahren ein Tischler gefertigt hatte. Ich kippte sie mit dem Glas nach oben, montierte hinten Rollen und hatte einen großen fahrbaren Tisch – eine riesige gläserne Palette.
Und bald darauf malte ich das erste Bild direkt auf dieses Glas. Mich interessierte, wie es von der anderen Seite aussah, und in diesem Augenblick begann das Ganze. :)